Lebensgefühl und Lebensqualität im Sozialismus Das Lebensgefühl und die Lebensqualität im Sozialismus wurden durch die politische Zielsetzung bestimmt, eine neue, bessere, sozialgerechtere Gesellschaft aufzubauen und sie mit zu gestalten. Wir mussten die neue sozialgerechtere Gesellschaft im Kalten Krieg errichten. Daraus resultiert auch, dass Erscheinungen des Kalten Krieges als Erscheinungen des Sozialismus gesehen werden. Die entscheidende Grundlage für den Sozialismus war das sozialistische Eigentum, das Volkseigentum.  Deshalb wurde auch das Volk enteignet und was nicht durch die Treuhand vernichtet wurde, privatisiert. Entschädigt wurden die Bürger der DDR bis heute nicht. Im Gegenteil, sie müssen heute noch für die verfehlte Politik nach der Wende draufzahlen. . Aus den ökonomischen Veränderungen nach 1945 ergab sich auch ein neues Verantwortungsbewusstsein und der Wille, die Menschen von dem neuen Weg zu überzeugen und möglichst alle Menschen in den Aufbau der neuen Gesellschaft einzubeziehen, egal welcher Konfession oder politischer Haltung. Das erforderte: · Viel Überzeugungskraft und Überzeugungswillen, · intensiven Gedankenaustausch, · den anderen zuzuhören, · sich in den anderen hinein zudenken, · Vertrauen zu schaffen, · einen breiten Erfahrungsaustausch zu organisieren, · sich beispielgebend zu verhalten, · den Gemeinschaftsgeist zu fördern, · die Kollektivität zu nutzen, · neue Vorbilder zu schaffen und · Eigenverwirklichung in der Gemeinschaft anzustreben. Dieses Wirken für das Zusammenleben der Menschen gibt es in einer bürgerlichen Gesellschaft nicht. Es widerspricht der kapitalistischen Ordnung und seiner Marktwirtschaft. Die Überzeugung wird durch das Geld reguliert. Die besten Eigenschaften der DDR-Bürger waren: * Die Solidarität untereinander, für den anderen da zu sein und in schwierigen           Situationen zu helfen.(es galt national wie International) · Die soziale Verantwortung gegenüber den anderen. soziales Verantwortungsgefühl war ausgeprägt und soziale Kompetenz vorhanden. Das soziale Gewissen gegenüber dem Schwächeren war ein Baustein für den Zusammenhalt der Menschen in der Familie und der Gesellschaft. · Die Hilfsbereitschaft gegenüber jeden Menschen. Sie wurde nicht an Bedingungen geknüpft, sie war immer gegenwärtig und wirkungsvoll. Diese Eigenschaften der DDR-Bürger wiederholten sich millionenfach und bestimmten unser Leben. Für mich war wichtig, diese Gedanken zu DDR-Zeiten mit Millionen DDR- Bürgern zu teilen. Mit den paar hundert Bürgerrechtlern will ich sie nicht teilen und mit den tausenden von Wirtschaftsflüchtlingen auch nicht. Diese Gedanken spiegeln die Grundlagen des Lebensgefühls im Sozialismus wieder und sind Ausdruck des Lebensinhaltes im Sozialismus. In einem Artikel im „Forum 13/2008“ schreibt ein westdeutscher General, wie die DDR war. Er muss es ja wissen.         „ Das Erziehungssystem, die Stasi-Bespitzelung und die Bevormundung jeg-           licher Art, kennzeichnen das Menschenbild der herrschenden SED.“ Wenn das Erziehungssystem dazu führt, dass * keine Amokläufe an den Schulen stattfinden, · kein Komasaufen zugelassen wird, · keine Übermäßige Gewalt gegenüber Schülern und Lehrern vorhanden             ist, · kein Drogenhandel, kein Kiffen an den Schulen möglich ist, · keine Kinderpornografie gefördert wird, · kein Schulschwänzen sanktioniert wird, dann war es ein vorbildliches Erziehungssystem für Menschenwürde und Menschlichkeit, Herr General. Die Kollektivität in den Klassen und Lehrerkollektiven schafften Stabilität, brachten hervorragende Lernergebnisse und begabte Persönlichkeiten hervor. Sie gaben den jungen Menschen Lebensziel und Lebensinhalt. Und heute? FDJ und Pioniere gestalteten ihr Leben an den Schulen selbst. Wenn die Indoktrination (Belehrung) derartige Ergebnisse mit sich bringt, bin ich für Indoktrination, Herr General. Die Indoktrination (Bevormundung) ist heute viel schlimmer: · Unsinnig Werbung führt oft zu Kaufsucht und Verschuldung · Geschäft mit der Angst  durch Banken und Versicherungen ergibt übermäßige   Verschuldung · Die Medien in ihrer Hysterie und Sensationsgier verstärken Angst und bringen Millionen in die Kassen · Die Delegitimierung der DDR führt zu Geschichtsverfälschungen und wer Positives zum Ausdruck bringt, wird an den Pranger gestellt. Wir brauchten keine Privatschulen und keine Privatkindergärten, wo sich die „Besseren“ von den sozial Schwächeren abschotten. Unter der Losung Individuum, Egoismus und Gier, wurden die besten Eigenschaften der DDR-Bürger vernichtet, wie · umfassende Solidarität · soziales Gewissen · gegenseitige Hilfe Diese DDR-Eigenschaften haben noch 10 Jahre nach der Wende gewirkt. Jetzt sind sie fast vollständig verschwunden. Einige Beispiele: _ 1996 hatte ich eine schwere Krebsoperation. Zum selben Zeitpunk forderte das Sozialamt von mir 45.200 DM Kostenbeteiligung für 3 Jahre Altersheim meiner Mutter (Museum dokumentiert). Ich musste das kleine Häuschen sofort beziehen und nutzungfähig umbauen. Familie und Freunde halfen mir aus dieser fürchterlichen Notsituation. Den Helfern gilt mein ewiger Dank. Dies wäre heute nicht mehr möglich. Jeder muss sich heute um sich selbst kümmern. Dazu kommt noch Alter und Krankheit. Eine Ausnahme gibt es trotzdem. Der Dank gilt vor allem den Familienangehörigen und Freunden, die aufopferungsvoll halfen. (siehe Bildanlage) Sie wurde herausgenommen, um Namen und Fotos nicht für DENUZITIONTION verwenden zu können. Im Museum noch vorhanden! _ Ein Familienangehöriger hat mich Ahnungslosen aufgeklärt, wie heute die Banken und Versicherungen abzocken. Es liegt im Trainigsprogramm und ist echte Indoktrination (Belehrung, Bevormundung) heute.            · Mit Small-Talk (nichtsagende Unterhaltung) beginnend · Vertrauen gewinnen · Abzocken - Zeitaufwand und Ergebnis hängt von der Gutgläubigkeit des Kunden ab Wie wirkt sich eine solche Arbeitsmethode auf den Charakter des Menschen aus? Das eigenartige ist, im Privatbereich erkennt man die Losung „Der Zweck heiligt die Mittel“ an. Im historischen Bereich lehnt man diese Erkenntnis ab. _ Eine Lehrerin, die aus Krankheitsgründen in Rente gehen musste, ist mit ihrem Leben unzufrieden. Dazu wurde ihr Mann jetzt noch arbeitslos. Konsequenz aus diesem Gespräch: Er hat Recht. Halte Dich von solchen Menschen fern, sie ziehen dich nur herunter. Das soziale Gewissen aus DDR-Zeiten ist vollständig verloren gegangen. In Wirklichkeit wollte die Lehrerin nur mit jemanden reden. Die vorgenannte Meinung bestätigt nur die Angst, die die Sozialschwachen haben, dass sie ausgestoßen und wie Aussässige behandelt werden. Es ist entwürdigend. Ich hatte großes Glück, das es solche Verhaltensmuster in der DDR nicht gab.  Die Partei hätte solches Verhalten nicht zugelassen. Das bezeichnen die Antikommunisten von heute als Indoktrination - (Belehrung)als Diktatur im Erziehungssystem. _ Erschüttert war ich bei meinem Verkehrsunfall in der Ladenstraße in Altglienicke am 30.09.2009. Er führte zum wirtschaftlichen Totalschaden. Die Hilfsbereitschaft war gleich Null. Ich brauchte die Versicherungsnummer und wollte Anrufen. Im ersten Laden, vor dem der Unfall passierte, antwortete der Landeninhaber auf meine Bitte, einmal anrufen zu dürfen, mit nein. Im Imbissladen gegenüber lautete die Antwort „nur Geschäftstelefon“. Auch der Unfallgeschädigte verwies mich auf die öffentliche Telefonzelle, obwohl er gerade über Handy mit seiner Frau telefonierte hatte. So etwas war in der DDR unmöglich,so etwas gab es nicht! _ Eine junge Familienangehörige aus dem Erzgebirge erzählt mir, sie habe sich bei einer Zeitarbeitsfirma beworben. Nach einer Auswertung des vorgelegten Fragebogens, hieß es, keine Einstellung - zu sozial. _ Eine Lehrerin erwischte einen Schüler beim Kiffen.Sie machte die Eltern darauf aufmerksam, daraufhin drohten die Eltern mit einer Verleumdungsklage. Prestigedenken war wichtiger. _ Als ich einen Familienangehörigen von der ersten Privatinsolvenz in der Familie erzählte, war die Frage, ist er selber schuld, oder wer war schuld. Die Empörung war nicht mehr auf das gesellschaftliche System gerichtet, sie ging in Richtung des Opfers. Viel wichtiger war, dass er in der Schlange im Supermarkt zu lange warten musste. Da muss ich mich aber gleich beim Vorstand beschweren. Diese eigenartigen Gedankenspiele erschüttern mich immer wieder und sie sind Ausdruck der Veränderung der Menschen. Die Verrohung der Gesellschaft setzt sich unaufhaltsam fort. Wir formulierten immer                 Das Sein bestimmt das Bewusstsein. All diese Beispiele bezogen auf unsere Familie beweisen, der vorgenannte Spruch trifft auch auf die heutige Gesellschaft hundertprozentig zu. Am deutlichsten werden die verändernden Denkweisen in den heutigen Slogans:          - ist dein Problem          - ist euer Problem          - ist ihr Problem Mit dieser Auffassung ist die gewollte Unterhaltung programmiert.. Ich brauche kein Einfühlungsvermögen mehr, der Egoismus hat gesiegt und das Gespräch ist abrupt beendet. Im Sozialismus gab es diesen Slogan auch und der war immer präsent           - es ist unser Problem Er war Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung, der gegenseitigen Solidarität und gegenseitigen Hilfe untereinander. Die Dialektik der Lebensweise, des Lebenswillens und der Lebensphilosophie kommt am besten zum Ausdruck in den Worten: -  Sozialistisch Arbeiten, -  Sozialistisch Lernen und              (Anlage Brigadebuch) -  Sozialistisch Leben Der Wettbewerb in den Betrieben und Einrichtungen war voll darauf konzentriert. Unser Lebensgefühl in den Anfangsjahren der neuen Gesellschaft war geprägt durch eine starke Aufbruchsstimmung und einen hohen Verantwortungsbewusstsein nach den fürchterlichen Kriegsjahren. Als Kriegskinder waren wir begeistert von der sich ergebenen  Alternative zum Kapitalismus. Unsere Generation hatte Glück, 40 Jahre eine neue Gesellschaftsordnung aufgebaut zu haben, die soziale Gerechtigkeit für alle gewährleistet hat und die Möglichkeit der Verhinderung von Kriegen einschließt. Gelebte Geschichte, gelebte Historie, entstand daraus, dass wir die Ideen von Marx, Engels und Lenin im Leben umsetzten.Wir haben versucht, die Ideen  mit Leben zu erfüllen und ein interessantes Zusammenleben ermöglichte, das einmalig in der deutsch Geschichte war und ist. Meine Enkel und Urenkel können kaum Einfluss auf die heutige gesellschaftliche Entwicklung nehmen. Unser Ziel war, dass sich der Einzelne in der Gesellschaft wohlfühlt und auf seine Leistung für die Gesellschaft stolz war. Das Verantwortungsbewusstsein für das Ganze war wichtig und nicht wie heute der eigene Egoismus. Die ganze Gesellschaft war immer im Gespräch miteinander bis in die Familie hinein. Themen waren: - wie ist die Entwicklung im eigenen Arbeitskollektiv und welchen Anteil hat der   Einzelne -  trifft die Einschätzung der Plenen der Partei oder der Parteitage auch auf mich zu -  wie sollte ich mich politisch und fachlich qualifizieren um den Anforderungen der        nächsten Jahre gerecht werden zu können -  welche Missstände und Rückstände müssten beseitigt werden, welche Erfahrungen        sind zu erkennen. Die Streitgespräche, Problemdiskusionen oder Unterhaltungen waren immer mit einem intensiven Erfahrungsaustausch verbunden. Der Zusammenhalt der Menschen im Sozialismus und das überschaubarer System des Staatswesens sowie der Betriebe ermöglichte es, immer und überall Gesprächspartner zu finden und Gespräche zu führen und heute? (z.B. Gewerkschaftsgruppen, Frauenkommissionen, kulturellen Wettstreit)aber auch im Feizeitbereich(Betriebsferieneinrichtungen, Kulturgruppen,Sportvereinen) Es ist beschämend wie die heutige Politik den Zusammenhalt der Menschen in der DDR durch die verlogenen Thesen vom Spitzelstaat zerstören will. Wenn diese Thesen stimmen würden, müsste die Hälfte meiner Familie durch die Stasi verfolgt worden sein, so offen und kontrovers waren unsere Familiengespräche zu DDR-Zeiten. Diese Offenheit ist verloren gegangen, Desinteresse hat Platz begriffen und viele Tabus erschweren die Unterhaltung. Die Kommunisten trugen zu DDR-Zeiten Parteiabzeichen und versteckten sich nicht hinter Nadelstreifen-Anzügen, sie waren immer Ansprechpartner. Was mich heute noch stark beeindruckt ist der Wille der DDR-Bürger die „Internationale“(Liedtext) umzusetzen, in der es heißt: „Es rettet uns kein höheres Wesen kein Gott, kein Kaiser    nochTribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun“ Ausdruck des Willens war auch das 75% der DDR-Bürger Atheisten sind.                                                                                       (Diabolicher Dreiklang FOCUS Online 14.10.2009) Noch deutlicher sind die Leistungen, die wir in der DDR bei der Erreichung der Gleichberechtigung der Frau durch gleichen Lohn bei gleicher Arbeit erreicht haben. Die Frauen wurden selbstbewusster, ehrgeiziger und aktiver. - Beschäftigungsgrad der Frauen in der DDR o1950     54% o1988     91% - Anteil der Frauen in leitenden Funktionen o1950     10% o1988      32% - Anteil der Frauen mit abgeschlossener Berufsausbildung in der sozialistischen Wirtschaft o1950      16% o1988       87% - Frauenanteil an Hoch- und Fachschulkader o1950       29% o1988       55% Dieser Zahlenspiegel bringt gleichzeitig das neue Lebensgefühl eines erfüllten Lebens zum Ausdruck und keine Frau musste bangen, arbeitslos zu werden. Am Internationalen Frauentag, den 8. März, wurden die Leistungen der Frau besonders gewürdigt und das Erreichte festlich gefeiert.Ihre Gleichberechtigung war ein erklärtes Ziel. Sie mussten die vier A’s der kapitalistischen Zeit nicht ertragen. Die vier A’s waren in unserem Leben verbannt. Ich selber hatte nur 4 Jahre meines Lebens mit der Willkür der Unternehmer zu kämpfen. Als Hilfsarbeiter in einer Seifengroßhandlung ein Jahr und als Tischlerlehrling und -geselle in einer Tischlerwerkstatt 3 Jahre. Nach der 8. Klasse der Volksschule wollte ich Tischler lernen, wie mein Vater. Die Lehrlinge waren damals im Kapitalismus zu 80% Laufburschen. Allein 2 Stunden der Arbeitszeit musste ich von Taucha nach Connewitz mit der Straßenbahn fahren, um in einen großen Behälter Essen nach Befehl Nr. 2 für die 5-Mann-Belegschaft zu holen. Wir lieferten damals Reparationen an die Sowjetunion (Fenster, Türen und Verpackungen) als ich nach zweieinhalb Jahren auf der Grundlage des Berufswettbewerbes vorzeitig auslernen wollte, kam es zum Knall. Ich musste die Gewerkschaft einschalten. Der Tischlermeister hatte mit guten Noten seine Leistung unterstreichen wollen, aber ein vorzeitiges Auslernen wollte er nicht. Danach musste ich keine Willküraktionen von Unternehmern mehr befürchten, und wie ergeht den Menschen heute? Das veränderte Lebensgefühl könnte man etwas drastisch in 4x A zusammenfassen. 1.A wie Affe Wir mussten die Reichen und Wohlhabenden nicht nachäffen, in der Hoffnung zu ihnen aufsteigen zu können. 2.A wie Arsch Wir mussten den R. und W. nicht in den Arsch kriechen, um Karriere zu machen. 3.A wie Arsch Wir mussten den R und W nicht den Arsch lecken, um Arbeit zu bekommen. 4.A wie Arsch Wir mussten uns nicht von den R und W in den A…. treten lassen, weil wir nicht mehr gebraucht wurden. Diese Art von Freiheit und Demokratie gab es bei uns 40 Jahre nicht. Heute unterliegt der arbeitende Mensch wieder diesen eigenartigen Ritualen oder Verhaltensweisen der Unternehmer. Wir, 17 Millionen DDR-Bürger, hatten diese Rituale oder Verhaltensweisen aus unserem Leben gestrichen. Es war ein wichtiges und selbstverständliches Lebensgefühl. Vielleicht hatten die paar hundert Bürgerrechtler der DDR andere Gefühle. Der Hauptteil der DDR-Bevölkerung hat die sozialistische Lebensart und den Umgang miteinander ohne Unternehmer kapitalistischer Prägung und deren Willkür als angenehm empfunden, auch wenn es so manch einer heute nicht mehr wahr haben will. Erstaunlich ist auch das geprägte Wort von den „Nischen in der DDR“. Diese Nischen haben immerhin dazu geführt, dass die Widerständler von heute ihre Diplome und Dissertationen erfolgreich abschließen konnten. Leider wird die Geschichte der DDR heute von denen geschrieben, die sich zu DDR-Zeiten bereits gedanklich von der DDR verabschiedet hatten. Sie beurteilen den Sozialismus, obwohl sie am gesellschaftlichen Leben, nach ihren eigenen Aussagen, nicht teilgenommen haben. So ist die Verteufelung für sie einfacher. Wenn man gut hinhört, muss man annehmen, sie wollten die sozialen Ungerechtigkeiten des Kapitalismus schon immer z.B. Wie  Herr Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, erhält pro Tag 32.000 EUR.           Sein Leistungsvermögen ist nicht größer, als anderer Menschen, die Arbeit           machen sowieso die Bankangestellten. Sein Jahresgehalt beträgt 11,9 Mio.           EUR, das sind 18 % mehr, als im Vorjahr (Kurier vom 24.06.2006). Wie    Herr Eick der Pleite-Manager von Arcandor (u.a. Quelle) erhält 17000 € pro           Stunde Abfindung (Kurier vom29.8.2009) Wie    die Flick-Familie haben in ihrer Residenz 100 Angestellte als Personal. Durch           den Krieg reich geworden, verprassen sie den Reichtum, wo sie nur können. Wie    Luxushotel in Berlin, wo eine Übernachtung 1800 EUR kostet. Wer kann sich           das leisten. Die Reichen und eventuell die Wohlhabenden. 2/3 Drittel der Be-           völkerung kann sich so was nicht leisten, das sind mindestens 50 Mio.           Bundesbürger. Wie    der Unternehmerkindergarten in Potsdam, der monatlich 1000 EUR kostet            Plus 170 EUR Klavierunterricht oder die Privatschulen.Die Losung heißt, nicht            mit anderen Kindern oder Schüler in Berührung kommen. Das ist die            Politik der Reichen und Wohlhabenden. Ich sage immer, die beste Losung des Sozialismus war,                            „NICHT AUF KOSTEN ANDERER LEBEN“ Milliarden DM haben die R und W im Kalten Krieg ausgegeben, um diese Losung zu verhindern, bzw. den Sozialismus zu vernichten. Schlimm ist auch die Willkür der Arbeitgeber gegenüber seinen Arbeitnehmern bei Bagatell-Vorkommnissen. Im Sozialismus gab es für derartige Vorkommnisse Konfliktkommissionen in jedem Betrieb und in jeder Einrichtung sowie in den Wohngebieten Schiedskommissionen. Die Vorkommnisse wurden auch im Sozialismus geahndet, aber das Wichtigste war, das Erziehungsergebnis. Heute werden die Betroffenen Menschen auf die Straße gesetzt. Diese Art des Umgangs ist in jedem Fall unmenschlich. -   Nach 20 Jahren Arbeit in der Klinik als Küchenhilfe (59) wird sie wegen     3 Brötchen im Spind entlassen -   Wegen 1,30 EUR Pfandbon wird die Kassiererin (50) fristlos gefeuert. -   Ein Angehöriger unserer Familie wird einen Tag krankgeschrieben. Der Arzt       v            verwechselt das Datum. Fristlose Entlassung trotz Datumsänderung und 3 Wochen     Sperrung des Arbeitslosengeldes Hier wird mit Willkür und ohne Vernunft gehandelt. Freiheit gilt nur für den, der sie sich leisten kann. Die Illusion der Linken, dass der Kapitalismus ohne Revolution zu verändern ist, wird zum ad absurdum, wenn man die 3/3 Drittel Gesellschaft betrachtet.. Im Institut für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn hat Prof. Meinhard Miegel für 1991 die 3/3 Drittel Gesellschaft skizziert: 1.Drittel Bestverdiener 79 % Steueraufkommen 2.Drittel Besserverdiener 18 % Steueraufkommen 2000-4000 DM Einkommen 3.Drittel Geringverdiener 3 % Steueraufkommen unter 2000 DM Einkommen Das 1. Drittel wählt immer die Partei, die Ihre Interessen vertritt. Das 2. Drittel kommt mit dem Leben zurecht, ist gleichgültig, aber möchte den Verdienst und ihren Lebensstiel nicht vermissen, sie wählen deshalb die gleiche Partei. Beide wollen auf Kosten des 3. Drittel ihren Wohlstand und Reichtum erhalten. Das 1. Drittel sichert seine Macht durch Unsummen an Geld und ihrer ökonomischen Vormachtstellung. Eine bürgerliche Wahl erreicht immer über 50 % und damit den Erhalt der Macht. Die Vorstellung der Linken über das Parlament eine Veränderung zu Gunsten des 3. Drittel zu erreichen ist eine fürchterliche Illusion. Im Sozialismus steht das 2. und 3. Drittel im Mittelpunkt der Politik. Das 1. Drittel muss sich einordnen. Eine sozialistische Wirtschaft sichert die Macht der Arbeiter und Bauern ökonomisch ab. Problematisch ist, dass die Vorbilder für die heutige Jugend aus dem 1. Drittel stammen. Reiche, Schmarotzer, Abzocker und Nichtstuer werden in den Medien insbesondere den Zeitschriften herausgehoben. Die Jugend richtet ihr Streben auf diese falschen Vorbilder. Die Vorbilder im Sozialismus waren Revolutionäre, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzten und die Menschen, die den gesellschaftlichen Reichtum schaffen (z. B. Adolf Henneke). Die Atmosphäre im Sozialismus war auch dadurch bestimmt. Es wurde von der Spitze bis in die kleinste Einheit der Gesellschaft,von der Regierung bis in die Familie. - gemeinsam gearbeitet - gemeinsam gelernt - gemeinsam gelebt - gemeinsam gefeiert Die Verbundenheit der Verantwortlichen mit jedem Kollektiv und jedem Einzelnen war gegeben. Sie wurde immer wieder gestaltet, auch wenn die DDR-Hasser und Antikommunisten es heute leugnen und leugnen dürfen. Die Feiertage der DDR waren immer Volksfeste und wer sich in eine Nische zurückziehen wollte, konnte es. Nur die leitenden Funktionäre durften es nicht. Tag des Lehrers, Tag des Gesundheitswesens, Tag der Metallarbeiter waren geschaffen worden, um die arbeitenden Menschen nochmals zu ehren UND IHRE GESELLSCHAFTLICHE STELLUNG HERVORZUHEBEN : - es wurden die besten Leistungen geehrt - die Erfolge gefeiert - der Erfahrungsaustausch forciert - beim Gläschen Wodka oder Wein auch mal die Meinung gegeigt Es war ein gemeinsames Leben von der Spitze bis zu den Einzelnen in der sozialistischen Gesellschaft. Und heute -die Medien repräsentieren den arbeitenden Menschen nicht mehr - VIP-Veranstaltungen - Lobby-Veranstaltungen - Gala-Bälle - Luxus-Partys  usw. bestimmen die Medienlandschaft. Der einfache Mensch hat keinen Zutritt. Die R und W bleiben unter sich. Es ist eine geschlossene Kaste, die sich offene Gesellschaft nennt. Und sie verbreitet bewusst oder unbewusst Misstrauen. Das Misstrauen entsteht: -  in der Preispolitik  (wo werde ich abgezockt) -  in der Steuerpolitik (wo kann ich betrügen) -  bei Arztbesuchen (will er nur Geldverdienen) -  bei Medikamentenpreiswucher der Pharmaindustrie (schlimmste Abzocke) -  durch die Lügen der Politiker (z.B. über die DDR,nicht gehaltene Wahlversprechen        oder  Schönfärberei) -  durch die Werbung (manipuliert die Menschen) Das Misstrauen ist vorprogrammiert und bestimmt weitgehend die Atmosphäre der Gesellschaft. Und noch eins: Das wuchtigste Produkt der Marktwirtschaft ist der Größenwahn. Er erfasst die Großen und die Kleinen. Nur die Kleinen gehen daran öfter kaputt. Bei Normalbürgern entsteht er meist dadurch, dass sie  genau so leben wollen, wie die Reichen, wie die Medien es ihnen vorgaukeln. Es führt zu Unterschätzungen des Risikos und führt zum Zusammenbruchs oder einer unheimlichen Belastung. Einige Beispiele aus meiner unmittelbaren Nähe: - Er macht sich selbständig, der Vater bürgt, der Betrieb geht pleite. Der   Vater lebt heute in seinem früheren Haus zur Miete. - Weil die reichen Russen nach Rom fahren. Fuhr er  mit seiner Freundin ebenfall.   Auf der  Rückreise erlitt er einen Herzinfarkt in München. Die notwendige   OP kostete 25.000 EUR in einer Berliner Herzklinik. Er war nicht versichert, 8                  Tage dauerte die Suche nach einer Versicherung. 1900 € musste er Anschlussgeld    bezahlen Nach 8 Tagen konnte die OP durchgeführt werden. - eine Lehrerin könnte oder müsste mit 58 Jahren, wie 70 % der Lehrer, in    Rente gehen. Der Gesundheitszustand ist überschaubar schlecht. Da die Schulden                auf das Haus zu hoch sind, muss sie bis 67 Jahren arbeiten. Wie hat der Sozialismus derartigen Größenwahn verhindert? Der Größenwahn hatte keine ökonomische Basis in der Planwirtschaft. Er ist ein Produkt der Marktwirtschaft, genauso wie der Egoismus, das Prestigedenken, die Besserwisserei, der Neid, der Hass, die Gewalt, usw. Derartige Erscheinungen wurden im Sozialismus in den Medien, in den gesellschaftlichen Organisationen, im Arbeitskollektiv und im Freundeskreis sofort bekämpft und in  Auseinandersetzungen die Risiken sichtbar gemacht. Die Gesellschaft hatte kein Interesse den Größenwahn zu fördern. Ihr war es wichtig, den Menschen vor unüberschaubaren Risiken zu schützen und niemand wollte am Größenwahn verdienen, wie heute üblich. Die sozialistische Politik für die Menschen wird heute als Indoktrination (Belehrung/Bevormundung) bezeichnet. Ein wichtiges Regulativ war das Prinzip der Kritik und Selbstkritik. Wer diese Methode für die  Persönlichkeitsentwicklung nutzte, war weniger Gefahren im Leben ausgesetzt. Die Anwendung von Kritik und Selbstkritik war manchmal schmerzlich und manch einer verfluchte das Prinzip aber          es half ihm sich zu behaupten oder sich zu beweisen.          Es half vom Abheben zu bewahren und bodenständig zu bleiben.          Es gab ihm Ruhe und Selbstbewusstsein.          Es half sich zu besinnen und vorwärts zu orientieren.          Es war erlernbar und beherrschbar.          Es war wirkungsvolle Erfahrung für einen Selbst.          Es beinhaltet Größe, Verständnis, Fürsorge und förderte den Lebenswillen und                               den Gestaltungswillen.   Kritik muss man erlernen.                            Sie muss der Lebensrealität entsprechen.                            Sie muss verhältnismäßig sein,                            sie muss Veränderungen bewirken und                            sie muss sachlich und  fundamentiert sein. Meine Devise war, wenn nur 10 % der Kritik der Wahrheit entsprachen, hatte ich die Pflicht, sie zu beachten und Veränderungen zu organisieren. Kritik hilft Stillstand, Einseitigkeit, Bevorteilung, Korruption, Überheblichkeit und Größenwahn zu verhindern. Wichtig war aber auch Selbstkritik zu beherrschen. Sie half der eigenen Veränderung, der eigenen Qualifizierung und den besseren gegenseitigen Verständnis.   Sie verhindert Überheblichkeit, Besserwisserei, Überschätzung,     Eigenbrötelei, Eigenigelung, Neid und Hass. Kritik und Selbstkritik ist immer im dialektischen Zusammenhang zu betrachten. Manch einem würde dieses Regulativ, wenn er es kennen und beherrschen würde, gut tun. Vor allem manchen Unternehmer und Politiker. Ob es jeder zu DDR-Zeiten so sah ist fraglich, aber heute erkennen viele. Wenn man das Verlorengegangene in Kurzfassung aufzählt, sieht es so aus: - es war unser Staat, - es war unser Betrieb oder Einrichtung - es war unser Arbeitskollektiv, - es war unsere Volksarmee, - es war unser Gesundheitswesen, - es war unser Schulsystem, - es war unser Ferienwesen, - es war unsere LPG - es waren unsere Kinderferienlager, - es war unsere Hausgemeinschaft , - es war unser Hausklub Und heute gehört wieder alles den Reichen und Wohlhabenden oder es wurde vernichtet. In meinen Ausführungen wollte ich die Lebenskraft und das Lebensgefühls im Sozialismus im Vergleich zu heute darstellen. Es sind Inhalte des Sozialismus über die heute nur wenige sprechen und die heute auch nicht viele mehr in dieser Komplexität erkennen oder kennen. Unsicher und unzufrieden bin ich, weil ich nur antippen kann, was unser Leben im Sozialismus reicher und schöner machte, im Vergleich zu heute. Zur Klarstellung: Ich will keine alte DDR wieder haben, aber ich will auch keine Verteufelung der DDR! Berlin, 07.08.2009 Gernhold Klemm